Langdistanz Revolution

Langdistanz Revolution

  Jakob Ohlsen     Veröffentlicht: 11. September 2017

Nachdem Simulationen und Windkanalmessungen der Firma Swiss Side erneut bestätigt haben, dass das Fahren im Windschatten selbst bei Abständen von über zehn Metern entscheidende Vorteile bringen kann, ist erneut eine Debatte über das Windschatten-Reglement auf Mittel und Langdistanzrennen entbrannt. Wachsende Teilnehmerzahlen mit einer höheren Leistungsdichte stellen die Veranstalter und Regelhüter nun vor ein kaum lösbares Problem.

Während die Athleten für faire Wettkampfbedingungen kämpfen, werden nur wenige Profi-Rennen im TV übertragen. Wird ein Rennen dann doch live im Fernsehen gezeigt, so können sich oft nur wenige Zuschauer für eine achtstündige Triathlon Berichterstattung begeistern. Seien wir ehrlich, die meisten Langdistanz Wettkämpfe sind für den Zuschauer nicht besonders spannend. Rennen wie die 70.3 WM 2016, bei der Tim Reed und Sebastian Kienle bis zur Zielgerade um den Sieg kämpfen, sind eine Seltenheit im Langdistanz-Triathlonsport. Mehrstündige Rennen mit wenigen Führungswechseln, Attacken und einem vorhersehbaren Rennverlauf sind hingegen oft die Regel.

Warum erreichen dann aber Radsportübertragungen weltweit Millionen Zuschauer, während sich der Triathlon-Fan selbst beim Ironman Hawaii mit einem halbprofessionellen Stream zufrieden geben muss und darauf hofft, dass die Kamera-Motorräder in diesem Jahr genügend Sprit an Board haben? Während sich ein Rennradfahrer nach einer anstrengenden (und für Spannung sorgenden) Attacke im Windschatten anderer Fahrer erholen kann, würde eine solche Attacke einen Langdistanzathleten schnell um ein gutes Wettkampfergebnis bringen. Während der Sprinter alles auf eine Karte setzen kann und sich nicht für die morgige Bergetappe schonen muss, werden Schwimm-, Rad oder Laufspezialisten im Triathlon zwar bemerkt, aber nur sehr selten entsprechend gewürdigt. Muss sich der Triathlon ändern, um für Zuschauer wieder interessanter zu werden?

Der Langdistanztriathlon als Einzelsportart soll natürlich auch weiterhin ein fester Bestandteil der Triathlonwelt bleiben. Dennoch würden neue Rennformate, die Teamtaktiken ermöglichen, Sonderwertungen enthalten und unter Umständen sogar das Windschattenfahren erlauben, die Rennen weitaus spannender, abwechslungsreicher und taktischer gestalten.

Die Super League macht es im Kurzdistanz Triathlon vor und begeistert den Zuschauer mit einem mehrtägigen Event bei dem unterschiedliche Rennformate und Zeitbonifikationen zu spannenden Rennverläufen führen. Zusammen mit einer Übertragung auf Tour de France Niveau sorgte die Super League im März 2017 für ein Zuschauererlebnis, welches es in dieser Form noch nie im Triathlonsport gegeben hat.

Viele Lang- und Mitteldistanz Veranstalter konzentrieren sich auf die Vermarktung der Events als Age-Group Großveranstaltungen. Dabei müssen sich die Zugpferde dieser Veranstaltungen, die Profi-Athleten, oft mit geringen Preisgeldern und einer schlechten Berichterstattung zufrieden geben. Die Veranstalter scheinen dabei zu vergessen, dass sich auch die Vermarktung von Profi-Sport-Events lohnen kann (siehe Radsport) und dabei Veranstalter und Sportler gleichermaßen vom Interesse der Medien profitieren würden. Wann kommt also die Langdistanz Revolution und würde ein Langdistanzrennen mit Windschattenfreigabe überhaupt funktionieren?

Radfahren Hawaii

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